Blök
Ampelhasen
"Ampelphasen in Berlin zu kurz für Senioren" stand neulich als Schlagzeile in irgendeiner Boulevardzeitung. Ich aber las im ersten Moment: "Ampelhasen". Ampelhasen. Haha. Ist das nicht lustig? Nein? Für mich schon. Normalerweise sollte man ja nun denken, dass es des Themas hiermit genug wäre ("Mannomann, der findet es witzig 'Ampelhasen' verstanden zu haben, ich glaub's einfach nicht, und tschüss und ab dafür ..."), und man sich nun wieder echten Problemen (Duisburg, Äthiopien ...) zuwenden könne. Aber nein. Für mich ist nun mal nicht "normalerweise". "Normalerweise" reizt mich und fordert mich heraus. Während um mich herum das Volk ungeduldig murrt und mit den Füßen scharrt, geht mir hier so richtig einer ab, also im übertragenen Sinne, so flapsig ausgedrückt, ne.
Ausschreibung
"Kasperl fanatisch" - VHS Hietzing Kasperl-Theaterstück für Erwachsene zum Thema "Fanatismus"; einreichen bis zum 26. Oktober 2010; Dotierung: 1.000 Euro ["Gesucht wird ein Stück für Kasperl, Pezzi (?), Polizist, Gretl, Oma, Krokodil, Räuber und Zauberer für Erwachsene, dass Fanatismus thematisiert, zum Denken anregt."] So lautet der Originalwortlaut einer Ausschreibung, der mich dieser Tage erreicht. Mehrere Fragen bleiben dabei offen: Eine Volkshochschule lobt 1000 Euro Preisgeld aus? (Wer ist dafür verantwortlich? Sind die entsprechenden Medikamente auch in Deutschland rezeptfrei erhältlich?) Für ein Kasperl-Theaterstück? Für Erwachsene? Sind das Erwachsenen-Kasperl-Theaterstück und der Kinderporno die entgegengesetzten Pole ein und desselben Prinzips? Und wer ist der, die oder das Pezzi(?)?
Verschärft bestraft gehören Süchtige
„Verschärft bestraft gehören Süchtige, die bei Kindern kaufen“ wettert Stephan Wiehler am 20. Juli auf der Meinungsseite des Tagesspiegels. Das Problem: Strafunmündige Kinder werden vor allem im Bereich der U8 als Drogenkuriere eingesetzt. Die Lösung: Nicht verstärkter Druck auf die Auftraggeber, sondern „Verschärft bestraft gehören Süchtige“. Schön, dass wir im TSP auch noch im 21. Jahrhundert altvertraute Sätze lesen dürfen – weitere artverwandte Vorschläge: „Eine Backpfeife hat noch keinem geschadet“, „Homosexuelle müssen therapiert werden“, „Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdrückung“, „Österreich ist gar nicht richtig Ausland“, „Man weiß ja, dass der Ghanaer eine überragende Genetik aufweist“, „Morgenstund hat Gold im Mund“, „Der Löwe ist der König der Tiere“, „Fahrspur auf Autobahn nach Hitzeschaden gesperrt“ – ach nein, letztere kleine Schlagzeile steht ja tatsächlich schon drin, am selben Tag.
"Warum ist er jetzt da?"
"Der geht gleich". Gefragt hat ein kleines Mädchen, zu dem ich neulich eine halbe Stunde lang in ein behelfsmäßiges Krankenzimmer des Urbanlazaretts geschoben wurde. Und die beruhigende Antwort kam von einer Schwester, die das Kind dann mit nach draußen nahm, damit es solange auf dem Gang spielen konnte, bis der Böse Onkel abgeholt wurde zur Materialentfernung. Bei "Materialentfernung" muss ich immer an die Demontage von Industrieanlagen denken, mit denen sich so mancher Sieger nach Kriegsende schadlos hielt. Doch es war nur wertloser Draht, aus einem kranken Fingerchen. Man müsste übrigens schon sehr viele Drähte aus sehr vielen Fingerchen mopsen, um den Gegenwert der geklauten Oberleitung an der Strecke Berlin - Hannover aufzuwiegen. Warum mir diese kleine Episode, die nun auch schon wieder einige Wochen zurückliegt, jetzt gerade einfällt?
The Party's over
Oder "Schluss mit Lustig" wie man auf deutsch sagt. Wie ich bereits zwischen den Buchstaben andott, hätte das eigentlich schon Anfang der Woche hier stehen müssen, denn da war ja längst Schluss mit der WM, dem "Großen Fußballfest" (Kicker), dem "Großen Fest des Fußballs" (SZ) oder dem "Großen Fest Fußball" (Sport-Bild). Doch es stand vorigen Montag noch nicht hier, sondern woanders, nämlich nur in meinem Unterbewusstsein, als winzigkleiner Gedankenembryo. Gewiss, selbst die feinsten Details waren schon festgelegt, winzigkleine perfekte Fingernägelchen von dem Gedanken und auch Neben- und Hintergedanken waren im Ultraschall ausgeprägt zu sehen, doch dann auch wieder unvollkommen, nicht spruchreif und erst heute in meinen Kopf hinein geboren als Kopfgeburt, puh, anstrengend und schmerzhaft, aua aua, aber wem sag ich das, ist dies doch ein Blök, der traditionell vor allem von genesenden Müttern gelesen wird. Warum, weiß ich allerdings nicht.
Böser Mann, was nun?
Es war einmal ein böser, böser Mann. Er hieß Van Bommel und war der Chef einer gemeingefährlichen Gang, die sich zur Tarnung alle in Orange kleideten wie rechtschaffene Müllmänner, während sie den anderen Jungs beim Fußball pausenlos die Beine stellten. Das war „ein kluges Rezept“, wie der fiese Van Bommel meinte. Auch darüber hinaus benutzte er gern den gängigen Jargon der Sportverbrecher: „Wir haben uns taktisch clever verhalten“, „Wir haben uns perfekt auf den Gegner eingestellt“, „Wir müssen ihnen die Freude am Spielen nehmen“, „Wir werden ihnen so richtig weh tun.“ Nur mit Fußball hatte das nichts zu tun, aber darum ging es gar nicht.
Ja, ich habe geweint!
Selbstverständlich. Wir hatten nun mal alle Angst. Kurz nach dem Schlusspfiff machte sich im ganzen Land ein Schweigen breit, dass nichts Gutes verhieß. Nur die Spanier jubelten natürlich. Sie haben gewonnen und dürfen uns jetzt alle töten - das ist Fußball. Die Kräftigeren von uns werden sie gewiss leben lassen, um sie in ihre Erdbeerminen zu verschleppen, wo sie bis zum Umfallen nach vergifteten Erdbeeren schürfen müssen. Man kennt ja die Bedingungen dort. Jetzt bin ich unentschlossen: Soll ich hoffen, dass sie mich irrtümlich für einen der Kräftigeren halten, oder soll ich dem Abholer besser gleich die Röntgenaufnahmen von meinem Rückgrat unter die Nase halten, um ein rasches Ende der tödlichen Plackerei vorzuziehen?
Klopapier alle
Normalerweise müsste ich das twittern, das wäre immerhin ein typischer Inhalt, aber es gibt nach wie vor Kommunikationstechniken, derer ich mich nicht bediene: Rauchzeichen, Bienentanz, Taubstummensprache, Verständigung durch unterschiedlich dosierte Arschtritte und eben Twitter. Also blöke ich, was ich der Menschheit meine, unbedingt über mein wahnsinnig interessantes Leben mitteilen zu müssen, weil das die Menschheit nun mal wahnsinnig interessiert. In Zukunft wird, frei nach Andy Warhol, jeder Mensch alle anderen für 15 Minuten ganz schrecklich langweilen. Dasselbe gilt freilich auch schon für die Gegenwart. Umso geringer die eigene Bedeutung, desto fetter wird sie unterstrichen. Ein Pfeifen im Wald quasi, wenn der Wald denn ein Blatt Papier wäre, schon bevor man ihn zu diesem Zweck durch die Mangel der Papierfabrik gedreht hat und das Pfeifen ein Stift, um auf dem Blatt Papier (Wald!) eben die nicht vorhandene Bedeutung zu unterstreichen und äh brumm
Brasilien futsch
Eigentlich erstaunlich, denn lange Zeit wirkten die Brasilianer in meinen Augen deutlich besser. Das ging so schwupps, schlaong, schängel, ab durch die Mitte und dann rabumms, rafatzchen, rin die runde Eule in die Gitterbox. Zappel, jubel, freu. Die anderen so: hm, hm, guck, gräm. Und weiter gings. Die Holländer machten auf mich fast einen klobigen Eindruck (außer Robben und Wientjes natürlich). Eher so der Prototyp des deutschen Spielers. Van Kuyt ein Wendekreis wie ein Schlachtschiff und wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, kommt noch Huntelaar dazu, dazukomm, eingewechselt werd, rumklob - ein Wendekreis wie ein Mittelgebirge.
Die Latte Gottes
Auch heute wieder ein Fußball-Blök mit affig vielen Links. Links, die ich schon längst mal unterbringen wollte, aber nicht wusste wo. Trotzdem waren sie mir zum Wegschmeißen einfach zu schade. Wenn ich mir nur vorstellte, wie ich mit meiner Pritsche von Robben & Sneijder bei der BSR in der Gradestraße vorfahre und die ganzen, eigentlich noch zu gebrauchenden schönen Fußballlinks unter den wachsamen Augen eines orangegekleideten (in Guantanamo bizarrerweise ja die Farbe der Häftlinge) Aufsehers in den Linkcontainer kloppe zu irgendwelchen schäbigen Links auf Kinderpornoseiten und Youtubefilmchen mit Mario Barth, wird mir ganz schlecht.


alles schön und gut